12.11.2018 KOMET-Kommunen bekennen sich mit "Gillersdorfer Erklärung" zur interkommunalen Zusammenarbeit

Dass eine ganze Region sich gemeinsam den zukünftigen Herausforderungen des demografischen Wandels stellt und dafür über die eigenen Ortsschilder hinaus denkt, hat schon Alleinstellungsmerkmale in Deutschland, sagt Landrätin Petra Enders am Montagabend im Schwarzburger Hof in Gillersdorf. Zu der Auftaktveranstaltung zum „Förderschwerpunkt Dorfregion Großbreitenbach 2019-2023“ waren viele Bürgerinnen und Bürger gekommen, die im Anschluss gleich die ersten Formulare und Info-Zettel von Heike Neugebauer in Empfang nahmen und Termine vereinbarten. Heike Neugebauer ist für die Planung der Dorferneuerung bei der Thüringer Landesgesellschaft mbH zuständig. Sie ist Ansprechpartnerin in Altenfeld, Böhlen, Friedersdorf, Gillersdorf, Neustadt/ Rstg. und Wildenspring für private und kommunale Antragsteller sowie Antragsteller aus der Wirtschaft.

 

Im KOMET-Projekt arbeiten die Kommunen der Region bereits seit 2016 in verschiedenen Themenbereichen zusammen. An diesem Abend, aus Anlass der Auftaktveranstaltung zur Dorferneuerung in der "Dorfregion Großbreitenbach", wollten sie alle gemeinsam ein öffentliches Zeichen für die interkommunale Zusammenarbeit im Bereich der Siedlungsentwicklung setzen.
Wie das gemeinsame Herangehen und Handeln die Region prägen sollen, haben die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister deshalb in der "Gillersdorfer Erklärung" festgehalten. So sollen Ortskerne lebendige Zentren des dörflichen und städtischen Miteinanders sowie attraktive Standorte für Wohnen und Leben sein. Bewahrt bleiben die regional typische Bauform, die Handwerkstechniken und Baustoffe aus der Umgebung. Erneuert wird nach Bedarf mit Blick auf zukünftige Nachfragen. „Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung“, stellte Landrätin Petra Enders einen der wichtigsten Punkte der Erklärung dar. Geschehen soll dies durch Sanierung, Umnutzung und Neubau in einem gut durchdachten Nutzungsmanagement, das sich der Aufgabe stellt, aus Leerstand Wohnraum, Treffpunkt oder ökologisch wertvollen Raum zu machen. Maßgebend ist dafür der ländliche Charakter der Orte. Ebenso prägen die Wald- und Offenlandschaften die Region in unmittelbarer Rennsteignähe, in denen sich die Ortslagen harmonisch einbetten und die wichtiger Anziehungspunkt für den Tourismus sind.

Unter all diese Ziele und Vorsätze setzten Bürgermeister Peter Grimm für Altenfeld, Bürgermeister Bernd Staude für Böhlen, Bürgermeister Wilhelm Traute für Friedersdorf, Bürgermeisterin Ramona Pabst für Gillersdorf, stellvertretende Bürgermeisterin Francoise van Huck für Wildenspring und Bürgermeister Hans Jürgen Beier für die Stadt Großbreitenbach an diesem Abend ihre Unterschriften. Bürgermeister Dirk Macheleidt für Neustadt/Rstg. wird dies ebenfalls noch in dieser Woche tun.
Die Stadt Großbreitenbach ist zwar nicht Bestandteil der Dorferneuerung, unterstützt die Gemeinden aber bei ihrem gemeinsamen Anliegen in der "Dorfregion Großbreitenbach" und nutzt selbst Städtebaufördermittel von Bund und Land für Vorhaben im Sinne der "Gillersdorfer Erklärung".

Die Region Großbreitenbach im Süden des Ilm-Kreises ist geprägt durch eine wunderschöne Landschaft, einen starken Mittelstand und engagiertes Vereinsleben. Sie leidet aber auch unter der Fachkräftemangel, Abwanderung junger Menschen, einer älter werdenden Bevölkerung und damit immer mehr leerstehenden Häusern in den Ortskernen. Über das KOMET-Projekt werden diese Probleme auf verschiedene Weisen angegangen. Junge Menschen, vor allem Familien, zieht es wieder in die ländlichen Gebiete, in die Heimat. Sie brauchen aber auch eine ordentliche Infrastruktur, Arbeit vor Ort und Perspektiven. Ältere Menschen möchten in ihren Heimatregionen alt werden und haben ebenso Bedarfe. Aus diesen Ansätzen entwickelt die KOMET-Region zusammen mit den Gemeinden viele Projekte wie Mitfahrbänke, Pedelec-Stationen, ein Nutzungsmanagement für den Leerstand, die Berufsinformationsmesse...

Die Dorferneuerung ist ein weiterer Teilbaustein. Sie sieht ebenso die Stärken der Region mit ihren Höhenlagen im Thüringer Wald, dem Unesco-Biosphärenreservat Thüringer Wald als Partner für Tourismus und Erholung, der Wirtschaft vor Ort. Doch bis zu 40 Prozent der Bevölkerung wanderte in den zurückliegenden Jahrzehnten ab. „Mit Leben müssen wir dagegen halten“, sagte Heike Neugebauer. „Wir müssen etwas gegen die Statistik tun.“ Wie das geht, erklärte sie im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Dorferneuerung. Sie strich die Stärken der Orte, wie die gut erhaltenen Ortsbilder, die ruhigen Wohnlagen und die Anziehungspunkte für den Tourismus heraus. Sie benannte mit dem Leerstand, der älter werdenden Bevölkerung, der fehlenden Nahversorgung und ÖPNV-Defiziten im ländlichen Raum sowie der fehlenden Außenrepräsentation der Stärken aber auch die Schwächen.

 

Als Zielgruppen machte sie junge Leute und Familien, die in ruhiger Lage wohnen wollen, Menschen, die vor Ort alt werden wollen, und Touristen aus. „Bringen Sie Ideen ein!“, ermunterte sie immer wieder, die Dorferneuerung kreativ zu denken. Ob Begegnungsstätten in ehemaligen Scheunen, renovierte Fassaden für ein ansehnliches Ortsbild, die Umnutzung alter Gebäude oder die Schaffung von Grünflächen, wo heute noch Brachen liegen, all das ist möglich über eine Förderung im Dorferneuerungsprogramm. Bis zum 15. Januar 2019 können für das folgende Jahr Anträge gestellt werden. „Der Termin ist sportlich. Das stimmt. Aber sprechen Sie mich an, wir finden Lösungen“, sagte Heike Neugebauer zum Abschluss. Und so gingen die ersten Interessenten nach dem Vortrag auch gleich auf sie zu und machten Termine mit ihr aus.